Eine Tasse Tee gegen die Morgenkälte
Nach den warmen Sommertagen können 5 Grad Celsius am Morgen gleich mal den Körper zum Frösteln bringen. Was gibt es da Besseres als eine wärmende Tasse Tee, um gut in den Tag zu starten?
Im Ja-zum-Leben Magazin wirst Du daher eine mehrteilige Serie aus der vielfältigen Welt des Tees finden. In den neuen Artikeln wollen wir unsere persönlichen Erfahrungen und unser Apotheken-Wissen mit Dir teilen.
Tee ist nicht gleich Tee – eine Welt der Vielfalt
Je nach Land oder Kultur werden bei der Bestellung eines „Tees“ unterschiedliche Getränke serviert. Geprägt wurde diese Vielfalt durch Tradition, Religion und das Wachstum von Pflanzen in unterschiedlichen Klimazonen.
Während im asiatischen Raum meist Blätter vom Teestrauch verwendet werden, prägen in Europa Kräuteraufgüsse die Teelandschaft – und in Südamerika werden vermehrt Coca-Blätter und Mateblätter als Tee getrunken.
Bei uns zu Hause ist der Wasserkocher schon wieder täglich im Einsatz. Wir verwenden Tee zur Gesundheitsvorsorge, als Heilmittel und für den Genuss.
Gibt es bei Dir eine Teetradition? Wann singt bei Dir der Teekessel? – Ein Lied, das Du sicher aus der Werbung kennst.
Tee erzwingt keine Eile.
Das Wasser muss kochen, die Blätter müssen ziehen, und man muss warten. In einer Welt, die sich immer schneller dreht, lehrt uns die Teekanne, dass die wertvollsten Momente im Leben genau dann entstehen, wenn wir anhalten, den Dampf aufsteigen lassen und uns Zeit für uns selbst nehmen.
In diesem Artikel bekommst Du Einblick in die Verwendung und Bedeutung der europäischen Kräuter-Teetradition.
Der Ursprung: Der mittelalterliche Klostergarten
Den Ursprung finden wir im Klostergarten – schon lange bevor der Tee aus Asien für den Adel importiert wurde. In den mittelalterlichen Klostergärten, die geschützt hinter den Mauern lagen, entwickelte sich ein unverzichtbarer Wissensschatz. Geprägt wurde die Klostermedizin durch Benedikt von Nursia, Hildegard von Bingen oder Walahfrid Strabo, welche heute wieder vermehrt Bedeutung bekommt.
Eine der faszinierendsten Pionierinnen dieser Zeit war Hildegard von Bingen (1098–1179). Die Benediktinerin sah den Menschen ganzheitlich: Körper, Geist und Natur bildeten für sie eine untrennbare Einheit. Ihre überlieferten Schriften zeigen, dass Kräuteraufgüsse im Mittelalter nicht nur als Medizin gegen körperliche Leiden dienten, sondern auch als Mittel, um die Seele ins Gleichgewicht zu bringen.
Wer damals krank oder erschöpft war, hatte keine Möglichkeit, einen Arzt oder eine Apotheke aufzusuchen – sondern ging in den Garten. Kräuter wie Salbei, Thymian, Fenchel oder Melisse wurden gesammelt, getrocknet und mit heißem Wasser übergossen.
Der Bruch: Aufklärung, Hexenverfolgung und Industrialisierung
Im Zuge der Aufklärung veränderte sich die Weltsicht, und es zerbrach die einstige Einheit von Natur, Glauben und Heilung, denn Krankheiten wurden von nun an nur mehr rein mechanisch-biologisch verstanden.
Das traditionelle Wissen erlitt dadurch einen massiven Bruch, und parallel dazu ging durch die Hexenverfolgung (15.–17. Jahrhundert) viel wertvolles Naturheilwissen verloren: Die systematische Verfolgung durch Inquisition und weltliche Gerichte traf oft Frauen, die als Hebammen, Weise Frauen oder Kräuterkundige tiefes Naturwissen hüteten.
Mit der Akademisierung der Medizin verließ das Heilen endgültig die Dörfer, woraufhin die verbliebene Volksheilkunde oft als „Aberglaube“ abgetan wurde. Seinen scheinbaren Endpunkt erreichte dieser Verdrängungsprozess schließlich im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung: Als die moderne Pharmazie begann, Wirkstoffe im Labor künstlich nachzubauen, schien die Natur endgültig durch das Reagenzglas ersetzt zu sein.
Die Rückkehr: Kräutertees in der modernen Hausapotheke
Trotz aller Verfolgung und Entwertung überlebte das alte Heilwissen im Verborgenen als sogenannte Volksmedizin, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Genau dieses erdverbundene Erfahrungswissen erleben wir heute in Form von Kräutertees und Hausmitteln als bewusste Rückkehr zu unseren Wurzeln wieder.
Gerade in der Apotheke ist dieser Lifestyle- und Gesundheitstrend stark zu sehen. Teemischungen für die Bronchien, die Blase oder die Leber waren und sind heute wie früher in jeder Hausapotheke zu finden.
Was steckt in der Teemischung?
Mit der Akademisierung des Kräuterwissens konnte festgestellt werden, welche Inhaltsstoffe eine Pflanze (= Teedroge) hat. Was sind Wirkstoffe oder Begleitstoffe, und in welchem Pflanzenteil sind sie zu finden?
So findet ihr in Teemischungen Einzelteile, die zu einer Komposition zusammengefügt wurden:
- das ganze Kraut
- Blätter
- Blüten
- Rinden
- Früchte
- Samen
- Wurzeln
Manche dienen als Heilmittel für Körper, Geist und Seele – andere schmecken einfach nur lecker und schenken uns Zeit für uns selbst.
Eine Teemischung kann für therapeutische Zwecke 2–3 Wochen getrunken werden. Infos dafür bekommst Du in der Apotheke oder in guten Phytotherapie-Büchern.
Bei der Wahl für den täglichen Gebrauch lasse Dich von Deiner Intuition leiten.
Deine Einladung: Selbst Kräuter trocknen
Wenn Du, so wie wir, einen eigenen Garten hast, dann laden wir Dich ein, Dir selbst ein paar Tees und Kräuter zu trocknen. Gerda trocknet für uns Thymian, Melisse, Rosmarin, Bohnenkraut, Liebstöckel …
Was finden wir in Deinem Tee oder im Gewürzregal? Möchtest Du Deine Lieblings-Mischung mit uns teilen?
Kennst Du schon die Rezeptur von unserem Ja-zum-Leben-Tee? – Gerdas Favorit.
Ausblick auf Teil 2
Du bist so wie Sascha und unser Sohn ein Grüntee-Fan? Dann sei auf den nächsten Artikel gespannt.
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Über uns:
- Gerda Ahorner: www.gerda-ahorner.at
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